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Auch Frauen sind Studenten
geschrieben am Montag, den 23. Februar 2009, von André
Kürzlich hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, einer Laudatio zu lauschen, die von einer Professorin für germanistische Linguistik an unserer Universität gehalten wurde. Zweifelhaft deshalb, weil die Dame, zu deren Hauptarbeitsgebieten die deutsche Grammatik gehört, mit selbiger offenbar auf Kriegsfuß steht.
Das Deutsche beinhaltet nämlich einige besondere Schmankerl, die dazu dienen, Sätze und somit auch die Schreib-, Lese- und Sprechzeit kurz zu halten, ohne dabei Informationen zu unterschlagen. Zu diesen Schmankerln gehört das generische Maskulinum. So wird für eine Mehrzahl von Personen die maskuline Form verwendet, selbst wenn der Gruppe auch Frauen angehören. Zum Beispiel sind, wenn man von “allen Studenten der Universität” spricht, natürlich auch alle Studentinnen mit erfasst. Das grammatikalische Genus des Wortes und das tatsächliche Geschlecht der Personen korrespondieren also nicht.
Leider haben einige Anhänger der Frauenbewegung diese sprachliche Feinheit nicht durchschaut und sahen in der Verwendung des generischen Maskulinums stets eine Diskriminierung der Frauen. So hört man heutzutage immer öfter Floskeln wie “liebe Kolleginnen und Kollegen”, wo schon ein “liebe Kollegen” genügt. Wer konsequent ist, müsste statt “Schülervertreter” nun “Schülerinnen- und Schülervertreterinnen sowie Schülerinnen- und Schülervertreter” sagen, was den Informationsgehalt nicht erhöht, aber die Lesbarkeit vermindert. Manchmal lassen sich die Kritiker auch ruhigstellen, indem man – wie im Universitätsalltag inzwischen üblich – unsinnigerweise von “Studierenden” spricht, wenn man Studenten meint. Hierbei wird verkannt, dass nicht jeder Student stets ein Studierender ist. “Studierender” ist nämlich eine Partizipialform, die eine aktuell ausgeführte Tätigkeit beschreibt. So bin ich aktuell kein Studierender, sondern allenfalls ein Bloggender, was nichts daran ändert, dass ich ein Student bin. Doch scheint die Universität von unermüdlichem Arbeitseifer ihrer Studenten auszugehen, wenn sie diese stets als “Studierende” bezeichnet. In gewisser Weise kann man sich also über dieses Kompliment freuen.
Doch zurück zum Thema: Um Satzungetüme zu vermeiden, hat in der geschriebenen Sprache folgende Variante Verbreitung gefunden: Statt “Professorinnen und Professoren” schreibt man bloß noch “ProfessorInnen”. Es wird also ein großes Binnen-I verwendet - ein klarer Verstoß gegen die Rechtschreibregeln. Zudem besteht bei vielen Schriftarten die Gefahr, den großen Vokal “I” mit dem kleinen Konsonanten “l” zu verwechseln. Kurz: Die Lesbarkeit von Texten wird durch diese Schreibweise erheblich erschwert.
Nun aber wieder zum Anlass dieses Artikels: Unserer Linguistikprofessorin gelang es, anscheinend getrieben von feministischem Diskriminierungswahn, die Verwendung des schon im geschriebenen Wort völlig deplatzierten Binnen-Is ins Absurde zu steigern, indem sie auch in ihrer Rede mehrfach davon Gebrauch machte. So gratulierte sie stets allen “PreisträgerInnen”, wodurch sie den anwesendenen männlichen Geehrten das Gefühl gab, unerwünscht zu sein.
Erstaunlich, wenn dies unserer Linguistikprofessorin nicht aufgefallen sein sollte. Muss ich deshalb von Absicht ausgehen und mich diskriminiert fühlen?




3. März 2009 um 00:54 Thomas Fuegner(Quote)
Sehr geehrter “Herr Prim”, (?)
so jemand wie Sie, der SO herzerfrischend und scharf und clever schreibt, der könnte mich fast dazu bewegen, mein bloggen wieder aufzunehmen.
Nur um SIE auf meine Blogroll zu setzen.
Fast.
Danke!
Th Fuegner
3. März 2009 um 07:34 André(Quote)
Oha, vielen Dank für dieses Lob!
“Herr Prim” klingt übrigens drollig